Gott in der Wolke
Buchprojekt 2024
Eines Tages findet jeder heraus,
was er ist,
und dann muss die Welt sich damit abfinden!
Ein tiefer Seufzer entrang sich mir, während ich noch immer auf der unteren Treppenstufe im Flur kauere und warte, dass nebenan endlich aufgelegt wurde. Gerade ergoss sich ein neuer Schwall Verbitterung aus Karinas Mund. Eigentlich wurde sie ihrem Vater immer ähnlicher.
„ Yoga? Y o o g a a? Das ist doch wohl nicht dein Ernst!! Warum verdammt nochmal sollte ich das machen? Da sitzen Hausfrauen rum, die sich mit verwinkelten Beinen eine Innenschau auf ihr leeres Leben gönnen! Und das am besten jede Woche!“
Das fand ich jetzt gar nicht mal so schlecht und gab ihr 6 von 10 Punkten.
„Bernd, merkst du noch was? Die will dich doch nur erpressen! Man muss nicht aus Angst vor dem Tode Selbstmord begehen, aber man darf auch nicht um jeden Preis nicht sterben wollen! Deine Mutter kommt doch nur in eine Seniorenresidenz. Und …okay, da sitzen viele alte Leute rum, aber es bedeutet verdammt nochmal doch keineswegs ins Siechenhaus zu wechseln!“
Jetzt wurde zur Abwechslung mit einem Kugelschreiber auf den Tisch von Tante Leni eingedroschen. Ich sehe es durch den Türspalt.
Es reichte. Ich habe für diese Litanei einfach keinen Nerv, außerdem: Ich muss los. Es blieb also beim Zettel, meine erste, zugegebenermaßen feige Option. Die kurze Information bot das Feld für künftige Flächenbrände:
Du musst das mit der Beerdigung von Papa alleine regeln.
Im Herd ist ein Huhn. Ich muss los! Tschüss!
Papa ist nicht tot für mich. Deshalb kann ich ihn auch nicht beerdigen. Tschüss!
Formfehler, Tschüss kam gleich zweimal vor. Das war meiner Aufregung geschuldet. Eigentlich wollte ich eine Entschuldigung unterbringen, aber der Satz gelang mir irgendwie nicht. Nun gut. Es wird jetzt eh alles den Bach runtergehen und ich werde geteert und gefedert. Egal, was ich hier noch auf der Treppe hin kritzele ...